Das Barbecue-Syndrom: Grillen als Ressourcenverschwendung

Griller, das sind zu 99 % biertrinkende Männer mittleren Alters mit Übergewicht, Herzleiden aufgrund von starkem Fleischkonsum und einem Hang zur übertriebenen Schadstoffbelastung durch Rauchentwicklung. Optisch gesehen mag das schon auf mich zutreffen, aber dieser krasse Stereotyp hat sich in so manch kritischem Kopf eingebrannt. In Wahrheit ist der boomende Grilltrend seinen »Erzfeinden« zu verdanken: den einflussreichen Vegetariern.

Flagge der USA

Barbecue, BBQ, Grillen, Smoken, Low & Slow – all das sind Begriffe aus der sogenannten Barbecue-Szene, die seit ein paar Jahren in Deutschland einen Boom erfährt. Doch was den Anschein hat, seinen Ursprung in den USA zu haben, bildet nur einen Teilabschnitt in der Geschichte des Kochens über offenem Feuer.

In Deutschland versteht man unter dem Begriff Barbecue (oder BBQ) meist etwas anderes als im Ursprungsland, den USA, nämlich einen festgelegten Geschmack. Dieser für Deutsche typische Barbecue-Geschmack ist süß, sauer, manchmal scharf, aber vor allem rauchig – und unterscheidet sich zudem vom eigentlichen für die USA bekannten Geschmack.

Zudem wird in den USA nochmal strikt zwischen Barbecue und Grillen unterschieden, wobei es seitens der Regierung sogar eine festgeschriebene Definition für Barbecue gibt, die sich nur auf »Beef« und »Pork« bezieht. An anderer Stelle kann ich hierauf gerne näher eingehen, in diesem Artikel soll es uns erstmal um die Begriffsverwirrung in Deutschland gehen.

 

Die Geschichte des Grillens

Höhlenmalerei aus der Steinzeit

Als der Mensch das Feuer entdeckte, wurde ihm schnell klar, dass sich mit der neuen Technik Nahrungsmittel besser verarbeiten lassen. Neben Pflanzen und Hülsenfrüchten konnte man nun auch Fleisch genießen, und zwar nicht mehr roh und vom Magen langfristig verdaut sondern schonend gegart. Dann kam der Stein an der Feuerstelle und man entdeckte, dass man auf einem heißen Stein ebenfalls Essen zubereiten konnte.

Das Kochen wurde erfunden und nach und nach immer mehr modernisiert. So wanderte es von draußen nach drinnen, wo die Nahrungsaufnahme in der Höhle sicherer war, und die Menschen entwickelten ihre Esskulturen. Ist das Grillen demnach ein Trend für Neandertaler und Primitive? Nein.

Im Laufe der Jahrtausende hat der Mensch sein Zuhause perfektioniert und sich so sein privates Refugium geschaffen. Das altertümliche Grillen im Freien wich wegen der Rauchentwicklung, dem aufwändigen Anzünden von Feuer und dem Zugang zu elektrischem Strom moderner Technologie: Ceranfelder, Mikrowellen und Garöfen. Doch was tun, wenn man in einer technikverwöhnten Gesellschaft lebt, die einem den Zugang zu einem Grundbedürfnis wie dem Essen dermaßen erleichtert?

Es entwickelt sich automatisch eine Gegenkultur, die das Zubereiten von Essen von drinnen wieder nach draußen in die Natur verlegen möchte. Dabei schließt sich moderne Technik und antikes Wissen nicht gegenseitig aus. Eine neue Technikwende sorgt dafür, dass das Grillen mit hochmoderner Technik angenehmer, leckerer und vor allem ressourcenfreundlicher gestaltet wird. Unter dem Begriff Outdoorcooking ist dieser, von den Medien in den letzten Jahren in Deutschland als Barbecue gehypter Trend, besser zu verstehen.

 

Vegetarier sorgen für Barbecue-Boom

Gemüse

Natürlich gibt es wie in allen Trends auch immer eine extremistische Gruppierung. Im Fall der Barbecue-Szene könnte man die XXL-Food-Trends ruhigen Gewissens als Sündenbock auserwählen. Hierbei geht es um Sensation und pure Quantität. Je größer der Hot Dog, der Burger oder die Pizza oder je schärfer das Chili und die Tacos desto mehr Aufmerksamkeit. Das hat mit Geschmack und Sattwerden nichts mehr zu tun. Doch moderne Griller, BBQler und Outdoor-Köche distanzieren sich von solchen Praktiken, denn hier gilt: Qualität vor Quantität.

Griller achten heute sehr wohl auf die Qualität ihres Fleisches und geben gerne mehr für ein Bio-Steak aus. Zudem stärkt die Grillkultur den Zusammenhalt und den Gemeinschaftscharakter, der sich wiederum auf die Umsatzsteigerung von regionalen Bauern positiv auswirkt. Kein seriöser Griller oder Outdoor-Koch würde abgepacktes Thekenfleisch konsumieren.

Diese Offenheit gegenüber alternativen Produktions- und Zuchtmethoden kommt nicht von ungefähr. Um ehrlich zu sein, muss man hier als eingefleischter Griller (Wortspiel erkannt aber nicht gewollt) sein Ego etwas zurückschrauben und der vegetarischen Esskultur danken. Denn viele Vegetarier, die eine Zeitlang zurecht das Konsumverhalten von Grill- und Fleischenthusiasten kritisierten, sprechen sich noch heute dafür aus: »Wenn ihr schon nicht auf Fleisch verzichten wollt, dann achtet doch bitte auf die artgerechte Haltung.«

Ist das eine Unterstellung oder übertriebenes Verhalten? Absolut nicht. Wer sich als Grillenthusiast mehrere moderne Geräte kauft und diese regelmäßig bedient, möchte seine Zeit natürlich nicht mit billigem Grillgut verschwenden. Das Streben nach Qualität ist somit vorprogrammiert und ein Geben und Nehmen in der Branche.

Und wer behauptet, dass Grillen gleich nur Fleisch heißt, der kennt die Outdoorcooking-Szene noch nicht. Denn hier wird auch vegetarisch auf einer Plancha oder im Wok gegrillt. Ganze Desserts lassen sich auf dem Gasgrill oder Brote im Dutchoven zubereiten. Selbst Früchte, Gemüse und Käse sind beliebter denn je und nicht nur mehr als Beilage auf dem Grill anzusehen. Grillen ist eine Kochkultur.

 

Haben Sie auch das Barbecue-Syndrom?

 

Ist Grillen demnach Ressourcenverschwendung? Nein, es ist nur eine andere Form des Kochens und der Nahrungsaufnahme. Sind Grillwettkämpfe wie die Europäische Schwenkmeisterschaft Ressourcenverschwendung? Schon eher. Denn hier geht es nicht ums Essen, sondern um den Meisterpokal. Aber diese kleine Nische ist als Hobby anzusehen und bei weitem nicht die Regel innerhalb und außerhalb der Grillszene. So gesehen wäre jedes Hobby ja eine Ressourcenverschwendung, da es keine Notwendigkeit darstellt, sondern der eigenen Entfaltung und Befriedigung dient: Autorennen, Reisen, Tauben züchten.

Das klischeehafte Bild des männlichen, übergewichtigen Grillers mit Hang zum übermäßigen Fleischkonsum ist heute mehr denn je eine karikierte Darstellung einer aufs Oberflächliche reduzierte Figur aus einer Gemeinschaft und Lebenskultur, die offen für neue Wege für ein harmonisches Miteinander ist. Grillen ist Kochen back to the roots, genderfrei, ohne Altersbeschränkung und ethnologischen Hintergrund und vor allem mit Blick auf eine nachhaltige Zukunft.

Kommen Sie diesen Sommer als Gast zur Europäischen Schwenkmeisterschaft, ich werde auch dort sein, und lassen Sie das Barbecue-Feeling auf sich wirken. Vielleicht »leiden« Sie nach diesem Artikel nun auch an dem Barbecue-Syndrom.

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